Machenschaften

Skandale

Strafe wegen Panscherei “Hackfleischprozess” August 2011
Die Staatsanwaltschaft hatte Tönnies vorgeworfen, Millionen Packungen gemischtes Hackfleisch falsch etikettiert und verkauft zu haben, bei dem der Rindfleischanteil geringer war, als angegeben. Gegen Zahlung von insgesamt 2,9 Millionen Euro wurden die Strafverfahren einstellen. [1-3]

Wurstlücke 2014
Das Bundeskartellamt hatte wegen illegaler Preisabsprache in der Fleischwarenbranche insgesamt Strafen in Höhe von 338 Millionen Euro verhängt, u.a. gegen Unternehmen von Tönnies. Das Kartellamt konnte aber die Strafe über 128 Millionen Euro wegen erwiesener Preisabsprachen bei den Tönnies-Tochterunternehmen Böklunder Plumrose und Könecke Fleischwarenfabrik nicht eintreiben, weil die Tochtergesellschaften rechtzeitig liquidiert wurden, was als Wurstlücke bekannt wurde. Tönnies hatte die Aktivitäten der Unternehmen auf andere Gesellschaften seiner Beteiligungsgesellschaft Zur-Mühlen-Gruppe übertragen und die Tochtergesellschaften anschließend aufgelöst. Da die Tönnies-Gesellschaften rechtlich nicht mehr existierten, gab es für die Bußgeldbescheide keinen Adressaten mehr und die Bußgeldverfahren wurden folglich eingestellt. [4-7]

Hygienemängel 2018
Die Verbraucherorganisation „foodwatch“ stellte 2018 amtliche Kontrollberichte online, die zeigen:
Lebensmittelkontrolleure beanstandeten bei einem Tochterunternehmen von Tönnies – der Landsberger Wurstspezialitäten GmbH“ in Oberbayern bei insgesamt 41 Überprüfungen zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften. In den Kontrollberichten ist zudem mehrfach von Darmbakterien an Maschinen die Rede. [8]

Unfall  2019
Ein rumänischer Arbeiter verletzte sich am Schlachtband schwer. Der Abreiter habe laut seiner Aussage mehrere Stunden allein am Schlachtband gearbeitet, mit einer Pfotenzange die nicht richtig funktionierte und sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht gerichtet worden. Darüber sei es zu einem Streit mit dem Vorarbeiter und in der Folge zum Unfall gekommen. [9]

Blutfluss 2019
Während einer Mahnwache, ergoss sich ein Blutfluss vom Schlachthof in Kellinghusen auf die Straße. [10]

manipulierte Waagen 2019
Im November 2019 verurteilte das Landgericht_Bielefeld drei ehemalige Mitarbeiter des Konzerns zu Haftstrafen zwischen drei und vier Jahren und Zahlung von 210.000 Euro an die Staatskasse. Seit Anfang 2016 hatten diese mit Mitarbeitern zweier polnischer Unternehmen Waagen manipuliert und 3,5 Millionen Euro für nicht gelieferte Waren erschwindelt. [11]

Ratten 2020
In einem Kühlhaus in Niedersachsen sind Behörden auf Rattenbefall gestoßen. Auch Tönnies Produkte lagerten dort. [12]

Dies sind (neben dem Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt) “nur” die Skandale die öffentlich wurden. Es dürfte noch einiges mehr geben, was aber halt nicht publik wurde.

 

Umgang mit System-Kritik

Die Methode Menschen die die Gewalt, Ausbeutung und Zerstörung durch die Firma Tönnies kritisieren, mit Schadensersatz- und Unterlassungsforderungen einschüchtern zu wollen, hat in der Firma Tönnies bereits Tradition. So gab es bereits Schadensersatz- und Unterlassensforderungen gegen die Gewerkschaftslinke Hamburg, die IG Werkfairträge in Rheda Wiedenbrück, das Bündnis gegen die Tönnies Erweiterung in Gütersloh, die Caritas sowie den SPD Politiker Ralf Stegner. Tönnies wollte damit kritische Berichterstattung über die systematische Ausbeutung in den Betrieben der Firma Tönnies verhindern.

-Der SPD Politik Ralf Stegner hatte sich in einem Interview kritisch über die Zustände in den Tönnies Schlachtfabriken geäußert. [13-14]

-Der Caritas Chef Volker Brüggenjürgen hatte sich erdreistet, die Wohnsituation der Mitarbeiter*innen bei Tönnies anzuprangern. [15]

-Die Gewerkschaftslinke Hamburg veröffentlicht seit langem immer wieder die Machenschaften von Tönnies [16] und wurde wegen einer Veröffentlichungen von der Anwaltskanzlei der Firma Tönnies mit einer Unterlassungsverfügung überzogen. [17-18]

-Im Vorfeld des Aktionstags gegen Tönnies der aktion/arbeitsunrecht hatte Tönnies die gefürchtete Medienkanzlei Schertz Bergmann beauftragt dagegen vorzugehen. Sie sollte durch Androhung drakonischer Strafzahlungen die Rücknahme kritischer Berichterstattung erwirken. [19-20]

-Eine Küchenhilfe wurde fristlos gekündigt, weil sie das Video aus der Kantine des Schlachtunternehmens gemacht und verbreitet haben soll. Darauf sind Mitarbeiter*innen zu sehen, die dicht gedrängt in der Kantine des Schlachtbetriebs sitzen; obwohl Nordrhein-Westfalen seit dem 22.03.2020 in Kantinen Mindestabstände von 1,5 Metern vorschreibt. [21]

Der Versuch kritische Orgas/menschen einzuschüchtern und mundtot zu machen geschieht offensichtlich routinemäßig und ereilte z.B. auch das Bündnis gegen die Tönnies Erweiterung in Rheda-Wiedenbrück.

 

Mit Topanwälten und hohen Gerichtskosten, deren Finanzierung für Tönnies gar kein Problem darstellen, will Tönnies die dringend notwendigen Proteste gegen Ausbeutung und gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlage unterbinden. Doch für uns steht weit mehr auf dem Spiel als Schadensersatzforderungen und hohe Prozesskosten zahlen zu müssen. Wenn wir überleben wollen, brauchen wir einen Systemwechsel. Einen Systemwechsel weg vom Kapitalismus, der auf Ausbeutung, Zerstörung und Unterdrückung beruht, hin zu einer solidarisch, ökologisch und nachhaltig agierenden Gesellschaft.

 

[1] https://www.aachener-nachrichten.de/panorama/toennies-prozess-wird-gegen-hohe-geldauflagen-beendet_aid-26889821
[2] https://www.nw.de/nachrichten/wirtschaft/4857307_Toennies-Prozess-gegen-Millionen-Auflage-eingestellt.html
[3] https://www.wochenblatt.com/landwirtschaft/nachrichten/toennies-prozess-wurde-vorzeitig-eingestellt-8853561.html
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Wurstl%C3%BCcke
[5] https://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/suender-schlaegt-fahnder-wurstkoenig-toennies-trickst-das-kartellamt-aus/11303150.html
[6] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/bundeskartellamt-entgehen-128-millionen-clemens-toennies-entkommt-durch-die-wurstluecke/14711730.html
[7] https://www.welt.de/wirtschaft/article158898865/Toennies-schreibt-mit-der-Wurst-Luecke-Rechtsgeschichte.html
[8] https://www.foodwatch.org/de/pressemitteilungen/2018/behoerde-vertuschte-schwerehygienemaengel-in-toennies-wurstfabrik-foodwatch-wirft-bayerischer-staatsregierung-massiveversaeumnisse-vor-bundesministerin-julia-kloeckner-muss-transparenz-ueberlebensmittelkontrollen-schaffen/
[9] https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Schwerer-Unfall-im-Schlachthof-Kellinghusen,schlachthof464.html
[10] https://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/video-zeigt-blut-fliesst-waehrend-aktivisten-mahnwache-auf-die-strasse-id26061277.html
[11] https://www.welt.de/wirtschaft/article1181716/Erste-Verhaftungen-im-Schlachthaus-Skandal.html
[12] https://www.spiegel.de/wirtschaft/toennies-fleisch-lag-in-von-ratten-bevoelkertem-kuehlhaus-a-921cc8cc-5458-4c8b-878f-2d36966fb268
[13] https://www.manager-magazin.de/finanzen/clemens-toennies-gegen-ralf-stegner-0-zu-1-a-3e50b5d8-c5cb-47e6-9bfd-8beb0cfc9583
[14] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/toennies-scheitert-mit-unterlassungsklage-gegen-ralf-stegner-a-b8840870-b5e1-494d-ae18-10483bc8eb8f
[15] https://www.radioguetersloh.de/nachrichten/kreis-guetersloh/detailansicht/gerichtliche-schlappe-fuer-toennies-gericht-weist-klage-gegen-caritas-chef-ab.html
[16] https://gewerkschaftslinke.hamburg/tag/toennies/
[17] https://gewerkschaftslinke.hamburg/2019/05/26/grossschlachter-toennies-gegen-jour-fixe-und-andere-kritiker-seiner-ausbeutungsmethoden-spendenaufruf/
[18] https://gewerkschaftslinke.hamburg/2019/01/25/stellungnahme-zum-gerichtlichen-vorgehen-der-grossschlachterei-toennies-gegen-jour-fixe-gewerkschaftslinke-hamburg/
[19] https://arbeitsunrecht.de/arbeitsunrecht-erwirkt-einstweilige-verfuegung-gegen-toennies/
[20] https://arbeitsunrecht.de/toennies-zieht-das-ringelschwaenzchen-ein/
[21] https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/toennies-kantine-video-prozess-100.html